Leben wir in einer Matrix?

Hallo zusammen,

Die Odenwald Kolumne aus dem Focus beschäftigt sich mit dem Thema und bringt erstaunliche Theorien. Einfach mal lesen :-)

Leben wir in einer Matrix?

Leben wir in einer Simulation? Ein Hinweis könnte sein, dass es durchaus ein paar Unstimmigkeiten in unserem Weltbild gibt, vor allem das Fehlen eines Beweises zur Existenz von Gravitationswellen.

In der Science-Fiction-Literatur ist die Simulation ein gängiges Thema, ebenso in entsprechenden Filmen. So drehte der Regisseur R. W. Fassbinder 1973 den Klassiker „Welt am Draht“. Er handelt von einem gigantischen Computer, der zur Simulation der wirklichen Welt entwickelt wurde. Mittels einer Apparatur können Menschen, die das Programm überwachen, auch direkt in den simulierten Raum eintauchen. Dann entdecken diese, dass sie selbst und die ganze sie umgebende Welt ebenfalls nur Simulationen in einer künstlichen Umgebung sind, die von einer noch höheren Ebene aus gesteuert wird.

Ab 1999 folgte die Trilogie „Matrix“. Darin wurde die Menschheit von Maschinen an ein Computerprogramm angeschlossen, in welchem sie ihr Leben verbringen. In Wahrheit liegen die Menschen in Behältern mit einer Nährflüssigkeit und liefern den Maschinen Energie. Kaum jemand ahnt, dass alles, was er täglich erlebt, nicht real ist.

Auch manche Wissenschaftler halten es für denkbar, dass die Welt nichts als eine große Illusion ist. Einer davon ist der 2001 verstorbene britische Astronom Fred Hoyle, der den Begriff vom Urknall prägte. Eine Superintelligenz „müsse Physik, Chemie und Biologie manipuliert haben“, schrieb er 1954 in einer Astronomie-Fachzeitschrift. Insbesondere die Gesetze der Kernphysik müssten absichtsvoll konstruiert sein, um die Kernfusions-Reaktionen in den Sternen so ablaufen zu lassen, dass sie Kohlenstoff erzeugen – den Grundstoff des uns bekannten Lebens.

In jüngerer Zeit griffen insbesondere der britische Philosoph Nick Bostrom von der Universität Oxford und sein Landsmann, der Physiker John D. Barrow von der Universität Cambridge, das Thema wieder auf. Sie argumentieren aber unterschiedlich. Barrow bezieht sich auf die Theorie vom Multiversum. Sie besagt, dass es eine unendliche Vielzahl parallel existierender Universen gebe, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften besitzen. In vielen davon müsse es Leben geben, wobei sich in manchen technische Zivilisationen entwickelten, die der unseren weit überlegen sind.

Gottgleiche Programmierer mit Supercomputern

Sie sollten höchst leistungsfähige Rechner besitzen, die ganze Kosmen einschließlich intelligenter Bewohner simulieren können. Die gottgleichen Programmierer müssten den Ultrasupercomputern nur die Gesetze der Physik und Biochemie eingeben, die im simulierten All gelten sollen, dann könnten sie (natürlich im Zeitraffer) zusehen, wie ganze Zivilisationen heranreifen – so wie wir Fruchtfliegen im Reagenzglas beobachten. Weil die simulierten Zivilisationen irgendwann in der Lage sein sollen, ihrerseits Universen zu simulieren, würde die Zahl der künstlichen Welten exponentiell wachsen und irgendwann die Zahl der realen Welten übersteigen. Deshalb sei es statistisch wahrscheinlicher, dass wir in Wahrheit nur aus Elektronen bestehen, die in einem Höchstleistungsrechner herumflitzen.

Davon ist auch Nick Bostrom überzeugt. Er glaubt aber, dass nicht fremde Intelligenzen, sondern eine weiterentwickelte Menschheit die Illusion unserer Existenz schuf. Für die Fortentwicklung unserer Spezies, sagt er, gebe es drei Möglichkeiten:

– Die Menschen erklimmen keine höhere Zivilisationsstufe weil sie – sei es durch eigenes Verschulden oder eine Naturkatastrophe – vor deren Erreichen aussterben.

– Die Menschheit erreicht den zivilisatorischen Höchststand, doch unsere Nachfahren sind nicht an der Schaffung künstlicher Welten interessiert, oder es ist ihnen verboten.

– Forscher lernen eines Tages, das Bewusstsein zu simulieren und wenden dieses Wissen zur Schaffung künstlicher Welten an. Schließlich brauche es nach Berechnungen von Experten wie dem US-Roboterforscher Hans Moravec von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh dazu eines Computers, der 100 Billionen Rechenoperation pro Sekunde schafft. Heutige Computer liegen bei einer Billion, dieses Ziel scheint also in Reichweite zu kommen.

Zwar könnten wir durchaus noch in der „Originalgeschichte“ (so Bostrom) leben. Doch angesichts der Vielzahl der möglichen simulierten Welten sei es wahrscheinlicher, dass die „echte“ Menschheit ihr Zukunftsziel bereits erreicht hat und uns nun in einer Kunstwelt simuliert.

Die Rolle der Schöpfer

Der Ökonomie-Professor Robin Hanson von der George Mason University in Fairfax (US-Staat Virginia) zieht daraus einige lustige Schlussfolgerungen. Für den Fall, dass wir entdecken würden, dass wir nur eine Figurensammlung in einem Supercomputer sind, entwarf er ein paar Verhaltensregeln. Zuerst sollten wir versuchen, den Zweck der Simulation herauszufinden. Würde sie zum Amüsement ihrer Schöpfer dienen, sollten wir das Spiel mitmachen und unser Leben möglichst dramatisch gestalten, mit viel Sex, Drogen und Rock´n´Roll. Wollten die Programmierer zusätzlich in ihre Simulation eintauchen, würden sie vermutlich in die Rolle der Reichen und Schönen schlüpfen. In diesem Fall sollten wir die Nähe solcher Berühmtheiten suchen, um wiederum am Spiel teilzuhaben. Käme es den Erschaffern der Kunstwelt aber darauf an, Gott zu spielen, der die Unwürdigen bestraft, sollten wir ein tadelloses, sündenfreies Leben führen. Gelängen diese Mitwirkungen nicht, könnten die Erschaffer das Interesse an ihrer Simulation verlieren und den Stecker ziehen.

Könnten wir aber tatsächlich herausfinden, ob wir aus Fleisch und Blut oder aus Nullen und Einsen bestehen? Ja, sagen Barrows und Bostrom übereinstimmend. Denn zum einen müssten die Programmierer ihr Universum nicht bis ins letzte Detail ausstaffieren (was immense Rechenleistung einsparen würde), sondern nur so weit, dass die simulierten Kreaturen keine Unstimmigkeiten in ihrer Welt feststellen können. Diese würde dann immer noch realistisch erscheinen – so lange niemand zu genau hinschaut. Überdies, meint Barrow, seien die Programmierer trotz ihrer Überlegenheit weder allwissend noch unfehlbar. Ihre Simulation könne daher Fehler enthalten, die sich im Lauf der (simulierten) Äonen summieren. Dann wären sie zu Nachbesserungen gezwungen – schon, um einen Computer-Absturz zu verhindern. Dies ist auch der Fall, wenn die Geschöpfe im künstlichen Kosmos technische Fortschritte machen, die sie an den Rand der simulierten Welt bringen.

Die Feinjustierung müsste sich allerdings bemerkbar machen, in logischen Widersprüchen etwa oder Abweichungen bei den Naturgesetzen. Womöglich sind wir solchen Inkonsistenzen bereits auf der Spur. So beobachteten australische Astronomen vor einigen Jahren weit entfernte Quasare, die ihr Licht bereits vor einigen Milliarden Jahren aussandten. In deren Spektren fanden sich Hinweise, dass die so genannte Feinstrukturkonstante – eine fundamentale Naturkonstante – im frühen Universum einen anderen Wert hatte als heute. Das wäre erklärbar, wenn sich im Lauf der Zeit die Lichtgeschwindigkeit geändert hätte. Doch dies schließt Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie aus. Es könnte sich also um eine eilige Korrektur des Programms handeln.

Triumph für Einstein

Ähnlich verhält es sich mit den von der Relativitätstheorie vorhergesagten Gravitationswellen. Die Physiker bauten weltweit mehrere große Detektoren, um sie aufzuspüren. Bislang aber blieben sie erfolglos. Einsteins Formelwerk wurde bis jetzt durch alle Experimente glänzend bestätigt. Bliebe der Nachweis der Gravitationswellen aus, kann dies bedeuten, dass die Theorie doch nicht stimmt – oder dass die kosmische Simulation diesbezüglich unvollständig ist. Ein solcher Programmiertrick könnte auch die Quantenmechanik sein. Wir verstehen ihre merkwürdigen Regeln nicht. Vielleicht stellt sie eine weitere Grenze der Simulation dar. Die Heisenbergsche Unschärferelation etwa verhindert, dass wir alle Eigenschaften eines Teilchens gleichzeitig erfahren können. Dadurch lässt sich erneut sehr viel Rechenkapazität sparen, vor allem, wenn der Mikrokosmos der „wahren“ Welt, in der die Simulierer leben, sehr kompliziert ist.

Sitzen wir also wirklich in einem kolossalen Big-Brother-Container, in dem uns unsere Schöpfer mehr oder weniger amüsiert studieren? Persönlich glaube ich das nicht. Warum sollte eine fortgeschrittene Menschheit ihre eigene Entwicklung im Computer wiederholen, wo sie doch um die Stärken und Schwächen ihrer Art weiß? Und wenn wir unseren Forscherdrang beibehalten, ist es sicher lohnender, mit der geballten Rechenkraft die Geheimnisse des Universums zu lüften. Auch glaube ich kaum, dass es gelingen kann, alle menschlichen Regungen und sozialen Interaktionen so zu simulieren, wie wir sie empfinden. Wir leben gewiss in einer realen Welt, und die Rätsel der scheinbaren Inkonsistenz der Feinstrukturkonstanten und der Quantentheorie werden wir schon noch lösen.

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One comment

  1. MCDynamo sagt:

    du hast mal ganz klar den film „13 floor“ vergessen der das thema gut erfasst…

    ich will jetzt nicht spoilern.. schau ihn dir einfach mal an