Hallo zusammen,

interessant was Recall Kandidatin Meike Büttner so alles über DSDS schreibt. Fraglich dabei ist natürlich ob sie dadurch nicht einen Vertragsbruch begeht, denn ich denke nicht, dass solche Berichte über die Show erlaubt sind.

Mein Name ist Meike Büttner und ich bin DSDS-Kandidatin. Als Mitglied dieser Casting-Selbsterfahrungsgruppe berichte ich an dieser Stelle über das, was ich in Deutschlands größter Castingshow sehe, fühle und höre.

Wer zu DSDS will, will auf die Bühne, will Geld. Der Traum vom schnellen Geld ist aber schnell ausgeträumt. Denn DSDS kostet Geld, und wenn es auch nur das Zugticket nach Hamburg ist. Denn ER empfängt nicht in Berlin, ER empfängt in seiner Heimat.

Keine Kamera darf sich Bohlen zu sehr nähern

Dort wird schnell klar, um wen es sich hier dreht: Der Kamerakran schwebt auf die Jury zu. Über unsere Köpfe hinweg auf Dieter Bohlen. „Stopp!“, brüllt es da von links. Eine unbekannte Brünette fuchtelt aufgebracht mit den Armen. „Das war zu nah!“, protestiert sie und der Kran wird wieder auf seine Anfangsposition gefahren. Für das Abbilden von Dieter Bohlen gibt es klare Regeln, keine Kamera nähert sich Dieter auf weniger als ungefähr 1,70 Meter, keine Nahaufnahmen, kein Weitwinkel!

Das erste Gebot bei DSDS lautet: Komme Dieter Bohlen nie zu nahe!

Denn wie könnte der Übervater weiter all seine vernichtende Urteile fällen, wie über das Aussehen der Kandidaten herziehen („Die Schuhe sind okay, alles andere würde ich löschen!“), wenn Sie sähen, was ich gesehen habe? Ich sage es mal mit seinen Worten: Dieter Bohlens Gesicht sieht aus, als hätte jemand versucht, aus Ton ein Gesicht zu formen. Und als ich ihm gegenüberstand, konnte ich kaum den Eindruck loswerden, dass Dieter Bohlen, wenn er erwacht, erst einmal den Solariumsdeckel aufklappt und dann aufsteht.

Hinter den Kulissen sind wir nur „die Kinder“

Und dann hat er seinen Spaß: Mit jedem Griff tief unterhalb der Gürtellinien seiner Kandidaten, hinter den Kulissen liebevoll „die Kinder“ genannt, greift er auch tief in die Köpfe seiner Zuschauer, die vor allem eines tun: Sie merken sich den Namen Dieter Bohlen und sie schalten beim nächsten Mal wieder ein.

Mir wird klar: RTL sucht nicht mich, RTL sucht niemanden, denn sie haben ihren Superstar: Dieter Bohlen! Und wir, „die Kinder“ tanzen um ihn herum. Weil es eine alte Faustregel ist, dass Kinder immer gut ankommen. Und jedes Kind bekommt von Dieter eine neue Bestimmung. Für keines von uns Kindern ist es ein Geheimnis, dass sie existiert.

Aber was ist unsere neue Bestimmung und wie fühlt sie sich an? Wozu ist der lange Hebel im Schnittraum gut?

„Mädels, packt eure Bikinis ein. Wir fliegen in die Karibik“, jovial wie der Dieter nun mal ist, kündigt er uns „Kindern“ den Recall-Trip in die Karibik an.

Doch hinter endlosen Stränden und Palmen steckt nichts anderes als der erste Teil der entscheidenden DSDS-Taktik: Zuckerbrot.

Die Peitsche folgt in der Dominikanischen Republik am ersten Abend. Antritt zum Appell, Ansage für den Morgen: Alle Mädchen haben morgens im Bikini zu erscheinen. Ich weigere mich. Ich bin Sängerin und Songwriterin, kein Bademoden-Model in einem Männermagazin, das in schäumenden Wellen umherhüpfen sollte.

Doch so einfach gibt man sich bei RTL nicht zufrieden, und wieder wird die gewohnt subtile Taktik ausgepackt. Vor unserer Reise wurden wir alle befragt, zu welchen Themen wir vor der Kamera keine Auskunft geben wollen, damit verrät man aber eigentlich schon zu viel. Denn am vorletzten Tag erlebe ich, wie man sich Menschen gefügig macht. Während ich in meinem Hotelzimmer mit einem anderen Kandidaten ein Lied probe, platzt ein Kamerateam herein und fragt mich nach genau den Themen, zu denen ich nichts sagen wollte. Heulend renne ich weg, verstecke mich. So funktioniert DSDS, wenn die Kandidaten nicht spuren, dann drängt man sie in die Ecke, bis sie zusammenbrechen.

Und dann kommt das perfide, alte Zuckerbrot. Am nächsten Tag entschuldigt sich eine Mitarbeiterin bei mir, verlangt aber auch ein bisschen Entgegenkommen meinerseits: „Na komm, jetzt bringen wir noch schnell das Bikini-Foto hinter uns und dann ist alles gut.“

Ich weiß von 16-jährigen Kandidatinnen, die sich, wie ich, nicht so ablichten lassen wollten. Doch wer kann von einer 16-Jährigen, deren Eltern mehrere Tausend Kilometer entfernt sind, Standhaftigkeit erwarten, wenn nicht einmal ich mit meinen 27 Jahren es konnte.

Mehr zum Karibikrecall gibt es heute abend, nachdem die Sendung zu Ende ist.